Sonntag, 20. Juni 2010

Die Sandalen der Prof S. – Akademischer Chic I

Nunmehr befinden wir uns nicht mehr im Nizza des Nordens, sondern in einer südwestdeutschen Universitätsstadt im, sagen wir im September. Langsam senkt sich die Sonne über dem Fluss, die Weinberge der Vororte leuchten gülden und die Bewohner der Stadt schicken sich an, ihren feierabendlichen Aktivitäten nachzukommen. Und doch: in der Universität brennt noch Licht. 23 blasse Forscher_Innen sitzen beieinander und lauschen gebannt folgenden Worten: „änt sen, se wäri äprehänsion of Fukos soot kän onli konsida itts fräkmentäry keräkta, se refjusal of a hollitstik inseit änt, as a mätta of fekt, its imbädenment into althussers konzäpt of se osa“.

Na, wo sind wir? Richtig! Auf der Jahrestagung einer Jahrestagung eines beliebigen deutschen geisteswissenschaftlichen Faches. Welche Sprache dies war? Nun, es ist ostwestfälisches Englisch. Warum diese Sprache dort gesprochen wird? Das weiß auch niemand so genau. Es versteht ohnehin niemand den anderen.

Doch schauen wir mal ganz genau hin. Wer sitzt denn dort beieinander? Und was haben diese Leute an? Und warum haben Sie das an? How to do things with clothes, Kleidung als performativer Akt, sotusei. Versuchen wir eine kleine kultursemiotische Charakterisierung der vestimentären Sitten der deutschen Universität:

1. Die Reinkarnation des Michel F.
Michel F. ist der Denker, der die Geisteswissenschaften wie kein anderer revolutioniert hat. Seine Fragen finde ich ziemlich genial: es geht um die Einengung des Individuums durch sich konstituierende staatliche Machtorgane, die Individualität und Differenz nivellieren.
Doch Michel F. war darüber hinaus ein ziemlicher Volldepp. So hatte er die exzellente Idee (als schwuler Mann!), diese hervorragende, freiheitsbringende emanzipatorische Islamische Revolution im Iran zu unterstützten. Bien joué, Michel!
Foucault war ein Schnösel, er fuhr einen Jaguar mit weißen Ledersitzen und die teuersten Anzüge. (Der fortgeschrittene Imperialismus des 21. Jahrhunderts zwingt Schnösel dazu, Hollandrad zu fahren und ihre Kaschmir-Pullover im Schlussverkauf zu kaufen: Verarmung der Mittelschichten!).
Michel F, wirkt bis heute in jeder Hinsicht stilbildend: Vier der anwesenden Männer haben eine Glatze und eine coole schwarze Brille. So voll intellektuell. Und sie haben schwarze Anzüge an. Die aber schlecht sitzen. Und gerne, ein wenig wie in Miami Vice, hautenge T-Shirts zum Anzug. Grrrrr! Werfen wir einen Blick auf die Socken: ha, erwischt! Cremefarbene Socken zu schwarz! Leider daneben! Und am Handgelenk ein Werbegeschenk der Frankfurter Rundschau. Wieso denn auch dafür Geld ausgeben? Diese Liste könnte beliebig weiter geführt werden.
Einen dieser Hobby-Fs kenne ich näher. Er leidet darunter, nicht schwul zu sein. Und betont in meiner Gegenwart immer, wie so voll queer er ist. Da muss er nicht. Ich stehe auf Männer. Mit ein bisschen Selbstironie. Und nicht auf Michel F. und Epigonen. Die nehmen sich zu wichtig.

2. Die Reinkarnation der Berkeley-Lesbe
Das Pendant zu Michel F. ist die Lesbe (im folgenden Lespe genannt) oder Lesboide (Lespoide). Sie hat natürlich kurze Haare, Achseln, kein BH, das Übliche… Die Universitäts-Lespe weist indessen einige Besonderheiten auf. Zunächst ihre Liebe zu Outdoor-Klamotten, sommers wie winters trägt sie unermüdlich The North Face und Jack Wolfskin, gerade so als wolle sie nach der Vorlesung noch mal gerade den K1 besteigen. Und natürlich ist sie die die intriganteste Kuh von allen, denn wer gegen sie ist, ist xyz- phob. Und überhaupt gegen die ganzen tollen anderen Frauen im Kampf gegen alle –ismen, in deren Namen sie spricht und die sie moralisch bemächtigen, ihre Student_Innen wüst zu beschimpfen, wenn diese einfach wieder so unpolitisch sind und in den Semesterferien Hausarbeiten schreiben (wie unterwürfig!) oder Geld verdienen (Angestelltenmentalität!), um im Semester drauf Miete und Essen zu bezahlen. Und gute Noten haben zu wollen, ist auch so erbärmlich!
Ihr Alleinstellungsmerkmal aber ist die Sandale (Trecking), im Sommer ohne Strümpfe, dafür mit ungeschnittenen Nägeln und 12 cm Hornhaut, im Winter mit Strümpfen (mindestens zwei Paar)… wobei ich bis heute nicht weiß, welche der Varianten ich bevorzuge.

3. Jung im Hosenanzug
Die Lespen-Generation ist im Begriff, emeritiert zu werden. Ouffff, könnte man da sagen, vielleicht zieht endlich mal ein wenig Vernunft ein! Doch Obacht, ihr Ziel ist erreicht: HEGEMONIE! Seit 15 Jahren kann man kein geisteswissenschaftliches Seminar mehr betreten, ohne dass man mit so voll queeren Theorien zugetextet wird. Und wehe dem, der diese in Frage gestellt. Da wird aber Frau Prof S. GGGGAAANZ BÖSE, wenn man sich so hartnäckig der Wahrheit (welche ganz plötzlich kein Konstrukt der Herrschenden mehr ist) verweigert. Torquemada war ein Waisenbub dagegen!
So voll innovative (!!) Theorien sind jetzt Mainstream geworden. Dissidenz ist konform, wie es jüngst Kollege Damien ausdrückte. Seitdem schlägt die große Stunde der Hosenanzüge. Hosenanzüge bei Nachwuchswissenschaftlerinnen sind die Mao-Hemden des Wissenschaftsbetriebs, die emsigen kleinen Bienen, die nun die frohe Botschaft in die Welt hinaustragen, sind sonderbarerweise alle in Hosenanzüge gehüllt. Sie sind die Doktorandinnen der Lespen. Vielleicht tragen sie Hosenanzüge, weil das Unbehagen der Geschlechter dort besser zum Ausdruck kommt, man schreibt sich in nicht so binäre Geschlechterstrategien ein, ist weniger einengend, rechts, faschistisch. Wobei mir noch einfach niemand erklären konnte, warum alle Nachwuchswissenschaftlerinnen so unglaublich dicke Hintern haben. Und so lange Zähne! Als gelte es, diesen genialen Fortschritt mit Klauen und Zähnen zu verteidigen.

Vielleicht lauschen wir noch kurz dem Vortrag. Und beschäftigen uns nächste Woche weiter mit Vestimentärem, denn „se päradeim of lukism, se mir konzeräschn on the füsikal äsepekt of a jumain biing, häs to be konsidad as se vörst stäp to fäschism and inhumänity. We sus belief that heterotopia …“

(more to come)

Samstag, 19. Juni 2010

Schnösel der Woche




Der algerischen Dame möchte ich mich anschließen! William rockt!


Dienstag, 15. Juni 2010

Mea culpa II

Nochmal mea culpa

"Mea culpa! Auch ich habe auf dieses Lied getanzt. Ich war nicht mal richtig betrunken, es war nicht mal richtig heiß, es war auf keiner Plaza Mayor irgendwo zwischen Zaragoza, Valencia und Granada, ich war in keinen Spanier verliebt und musste auch niemanden in meinem näheren Umfeld, welcher möglicherweise ein Che-Guevara T-Shirt trug, beeindrucken. Obgleich Träger von Che T-Shirts meistens nicht mein Typ sind. Eigentlich nie mein Typ sind.
Vermutlich sah ich tanzend ungefähr so revolutionär aus wie immer und trug das, was ich im Sommer trage seitdem ich mir selbst meine Klamotten kaufe, ein Poloshirt (dunkelblau, braun, dunkelgrün, weiß – meine Liebe zu flieder ist relativ neu ….) und weiße Chucks, Segelschuhe, Sebagos und Chinos, Jeans oder eine Bermuda - wenn es wirklich heiß ist. Beim Kauf eines neuen Poloshirts in Paris traf ich schlendernd übrigens Nathalie Carone, die revolutionäre Heldin des Liedes. Sie kam mir gerade mit einer agnès b - Tüte entgegen. Und berichtete mit von ihrem Ansinnen ein paar Tage später nach Cuba zu fliegen. Am Grab des Che, als sie aus der Zeitmaschine ausstieg, hatte sie sich schon umgezogen…. Vielleicht hat agnès-b auch eine Filiale in Kuba eine Filiale eröffnet."

So hatte ich mich schon einmal zu diesem Video geäußert, leider ist dies nicht mehr zugänglich, was an einer Krankheit liegt, die man Parvor academicus nennt und mit nächtlicher Panik und „ich schaff’s nicht“ Anfällen einhergeht.
Wie dem auch sei.

Youtube-Kommentare sind ein interessanter Spiegel des Zustands einer Nation. Die Krise des französischen Schulsystems zum Beispiel äußert sich in der katastrophalen Rechtschreibung der Kommentare, neben denen sich die deutschen wie Goethe ausnehmen. Unter diesem Video, welches ich mir kürzlich noch mal anschaute, las ich „Free Palestine!“. So, so, Kinder. Interessant.

Der Bogen, der hier von Cuba zum sog. Palästina gespannt wird, ist auch vestimentär nicht uninteressant. „Free Palestine“ wie es hier wohl gemeint ist, wäre ein Land geführt von der Hamas, einer Terrororganisation, die eine Staatsform vertritt, die grundlegende Rechte des Individuums mit Füßen tritt. Und die Rechte der Frauen allemal.

agnès b, ist eine Modemarke, die ich an Frauen eigentlich mag. Viele meiner Freundinnen tragen agnès b. In einem „freien“ Palästina, liebe Kommentarschreiberin, und liebe Nathalie, wäre es allerdings vorbei mir klassischer femininer Eleganz. Wohl noch mehr als in Cuba. Die Hamas-Eleganz ist ein bisschen… verdeckter….

Warum muss Totalitarismus eigentlich immer so sch… aussehen ?



Montag, 14. Juni 2010

Une jeunesse franco-allemande



Oubliez Ricky Martin! Voici les deux mecs qui ont hanté mes masturbations nocturnes quand j'avais 13 ans..... Oh là là et puis objectivement, c'est vraiment naze!

Schnösel der Woche


Ja, ich weiß, böser Kapitalist, nutzloser Schönling, Partylöwe, Jet-Set, Privatjet, bla bla bla... Ich finde, dass Mr. Berggrün für seine 48 Lenze immer noch ziemlich heiß aussieht.

Sonntag, 13. Juni 2010

Kindgerecht

ist unsere Wohnung überhaupt nicht, was vor allem daran liegt, dass wir keine Kinder haben. Patenkinder haben wir aber zu Hauf, damit wir auch mal die Freuden von Elternschaft genießen dürfen, sei es nur symbolisch und für kurze Zeit. Ich bin gerne der leicht schrullige Patenonkel und verwöhne meine Lieben gerne und ausgiebig, so dass sie von früh an die Vorzüge der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft zu schätzen lernen.
Manchmal aber halten mir die Eltern dieser Kinder aber gnadenlos vor Augen, wie spießig ich bin. So ein richtiger Spießer nämlich.
Meine Wohnung ist nämlich nicht kindgerecht, das haben wir geklärt. Dafür ist meine Wohnung voll schwul. Ich lese ja auch die AD. So total durchgestylt.... Was natürlich nicht stimmt, es gibt allerdings ein paar Möbelstücke für die ich mir bei ebay die Nächte um die Ohren gehauen habe und, weil wir ja als Kinderlose sowieso total privilegiert sind, in einer alten Jeans und in einem siffigen T-Shirt abgebeizt, restauriert und dabei scheiße ausgesehen habe.
Was ich nicht verstehe ist, dass es die Eltern total normal (und eigentlich auch ganz lustig) finden, wenn ihre Brut mit einem Spielzeugbagger über diesen Tisch fährt und ihn zerkratzt, nachdem ich abends vorher erzählt habe, mit wieviel Mühe wir ihn restauriert haben.
Machen Kinder vielleicht wirklich dumm?
Oder gibt es dieses Selbstgerechtigkeitsgen (meinKinddarfallesweileseinkindistunddunureineschwulesau) doch?

Freitag, 11. Juni 2010

Wurzelbehandlungen

sind schmerzhaft und braucht kein Mensch. Eigentlich. Wurzelbehandungen und auf dem Rückweg Demonstrationen der Anhänger des Narrenschiffes können einem den Tag versauen. SO RICHTIG VERSAUEN!
Da hilft nur eins: Mc Donalds (war etwas schwierig, abes es ging - nach der Wurzelbehandlung), InTouch, Peek und Cloppenburg und zum Friseur. Meine Friseurin kommt aus Afghanistan. Während Sie mir meine Spitzen schnitt, erzählte sie mir, wie frei sie sich in Deutschland fühle, wie froh sie sei, Afghanistan, verlassen zu haben und mit wieviel Stolz sie auf die schulischen Leistungen ihrer Tochter blicke.

Geht doch, dachte ich mir auf dem Heimweg...